Entstehung und Werdegang

Unter der Leitung von Lehrer Peter Höll wurde zwischen 1885 und 1890 versucht, eine Kapelle aufzubauen. Da es zur damaligen Zeit keine Unterstützung aus öffentlicher Hand gab, war der Ankauf von Instrumenten mit großen Schwierigkeiten verbunden und nur durch großen Idealismus möglich. Im Jahr 1890 kam es beim Fronleichnamsfest zur ersten öffentlichen Ausrückung der Musikkapelle Leogang.

Der Gründungskapellmeister blieb der Kapelle aber nicht sehr lange erhalten. Im Jahr 1900 wurde Peter Höll als Oberlehrer nach Saalbach beordert, wo er wieder eine Kapelle gründete. Der Bruder des Gründers, Matthias Höll, heiratete im Jahr 1900 nach Leogang und übernahm die Leitung der Musikkapelle. Matthias Höll war Tischlermeister und dadurch war jetzt auch die Probemöglichkeit in den Schulräumen nicht mehr gegeben. Geprobt wurde in der Tischlerwerkstätte, in Gastlokalen oder in brauchbaren Wohnstuben zB. beim Wachterwirt oder beim Loiblbauern.

Für eine Veteranenfahnenweihe im Jahr 1912 in Maishofen wurde von Josef Syenader ein Tambourstab gespendet. Schärpe und Stab wurden bei diesem Anlass das erste Mal vom gewählten Musikführer Hippolyth Riedlsperger getragen. Die Gründung eines Musikvereines kam wegen zu zaghafter Einbringung der Mitgliedsbeiträge nicht zustande. Während des 1. Weltkrieges war der Bestand der Kapelle nicht möglich.

Nach dem Krieg stellte sich Matthias Höll der Aufgabe, die Kapelle wieder aufzubauen. In dieser Phase wurde mit dem neu gegründeten Kameradschaftsbund vereinbart, dass ein Teil der Mitgliedsbeiträge der Musikkapelle zukommt. Dafür wurde beschlossen, dass beim Todesfall eines Vereinsmitgliedes der freiwilligen Feuerwehr oder des Krieger-Heimkehrervereines die Kapelle teilzunehmen habe. Gleiches hat auch bei Todesfall eines aktiven Musikkameraden, dessen Ehehälfte oder dessen Eltern zu erfolgen. Dieser Beschluss hat bis heute Gültigkeit.

Als Nachfolger des im Krieg gefallenen Stabführers Riedlsperger wurde der spätere Millingbauer Matthias Klingler gewählt. Matthias Klingler hatte seine Tätigkeit mit großem Idealismus bis kurz vor seinem Tod ausgeübt. Als neuer Stabführer folgte Adolf Höll, ein Neffe des Gründers Peter Höll und Sohn des Matthias Höll. Adolf Höll schrieb auch im Frühjahr 1972 eine Chronik der Musikkapelle Leogang. Im Jahr 1933 hat Matthias Höll die Leitung der Kapelle aus Alters- und Gesundheitsgründen abgegeben. Er wurde zum Ehrenkapellmeister ernannt.

Als Nachfolger trat 1933 Matthias Schwaiger, der Gemeindesekretär und Leiter des Kirchenchores, an die Stelle von Matthias Höll. Kapellmeister Schwaiger entstammte einer sehr musikalischen Familie aus Maria Alm. Er konnte unter anderem erreichen, dass die Gemeinde ein altes Schulzimmer im Gemeindehaus als Probenraum zur Verfügung stellte. Auch eine jährliche Subvention durch die Gemeinde konnte in dieser Zeit vereinbart werden, wodurch sich die Finanzierung der Kapelle erheblich erleichtert hat.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann Kapellmeister Schwaiger sofort wieder mit dem Aufbau der Kapelle. Zum 60-jährigen Bestehen der Kapelle konnte erstmals mit einheitlicher Bekleidung bestehend aus schwarzer Hose, grauer Bluse mit grünem Stehkragen und einem Lamperthut mit Federstoß, ausgerückt werden. Im Jahr 1953 ist Kapellmeister Matthias Schwaiger auf Grund von Unstimmigkeiten in der Kapelle zurückgetreten.

Die Leitung hat Johann Gassner übernommen, der während des 2. Weltkrieges bei einer Militärkapelle gedient hatte. In den nächsten Jahren kam es zu einer Neueinkleidung der Kapelle. Auf Grund der in Leogang bestandenen Bergwerkstradition und des neu entstandenen Magnesitwerkes konnte nach Einholung der behördlichen Bewilligung die Kapelle mit einer Bergmannstracht eingekleidet werden.

Im Jahr 1958 hat Ehrenkapellmeister Matthias Schwaiger die Kapelle wieder übernommen. Im Jahr 1964 konnte eine Kostenteilung für die Anschaffung neuer Instrumente mit der Gemeinde Leogang vereinbart werden. Zur Finanzierung wurde an insgesamt 8 Tagen eine Sammelaktion in der Gemeinde Leogang durchgeführt. An diesen Tagen im September und Oktober 1964 wurden ca. 420 Märsche gespielt. Durch das große Interesse und der Geberfreundlichkeit der Bevölkerung konnte neben der Neuinstrumentierung auch die Anschaffung einer Pinzgauer Jägertracht realisiert werden. Diese konnte anlässlich des 75-jährigen Bestandsfestes im Jahr 1965 präsentiert werden. Am 1. September 1969 ist Matthias Schwaiger auf Grund seines Gesundheitszustandes zurückgetreten.

Als Nachfolger wurde Alois Riedlsperger von der Kapelle einstimmig gewählt. Davor war er Klarinettist und ab 1963 auch Stabführer. Im Jahr 1975 feierte die Musikkapelle das 85-jährige Bestandsjubiläum in Verbindung mit der Pavillonweihe und Neueinkleidung in bestehender Knappentracht. Die Finanzierung des Musikpavillons wurde von der Gemeinde übernommen. Die Neuanschaffung der Knappentracht wurde durch zahlreiche Spenden der Bevölkerung und Eigenmittel getätigt. Als neu gewählter Kapellmeister hatte Alois Riedlsperger auch die Aufgabe der Ausbildung der Jungmusiker übernommen. Durch die eifrige Arbeit des Kapellmeisters hat der Nachwuchs der Kapelle in den folgenden Jahren so stark zugenommen, dass eine Neugestaltung des Probelokals unumgänglich wurde. Durch eine neuerliche finanzielle Unterstützung der Gemeinde und den Einsatz der Musiker wurde das bestehende Probelokal großzügig umgestaltet. Mit 1. Oktober 1984 tritt Alois Riedlsperger nach einer erfüllten Musikertätigkeit auf eigenen Wunsch zurück. Der erst 22-jährige 1. Trompeter Johann Riedlsperger wurde dann einstimmig zum Kapellmeister gewählt.

Mit 23. November 1984 wird der Verein der Musikkapelle Leogang angemeldet. In der Folge kam es zu einigen Erneuerungen. Beim Schlagwerk kommt es zum Einsatz eines Gesamtschlagzeuges bei modernen Kompositionen, Pauken werden angeschafft, Saxophone ergänzen die Besetzung und die Posaunisten lernen von Ventil- auf Zugposaune um. Aber es gab nicht nur instrumentale Veränderungen. Im Jahr 1987 kam es zum Eintritt der ersten Musikerin in die Trachtenmusikkapelle Leogang. 

Die Musikkapelle Leogang hat im Jahr 1993 in Zusammenarbeit mit dem Kirchenchor Leogang, mit der Leoganger Rangglermusi, dem Pinzgauer Dreigesang, der Leoganger Stubenmusi und den Bläsergruppen der MK- Leogang die CD „Klingendes Leogang“ produziert.

Auf Grund der beengten Platzverhältnisse im Probelokal im Gemeindeamt war die Kapelle bereits seit längerer Zeit auf der Suche nach einer anderen Lösung. Durch die Errichtung der Hauptschule in den Jahren 2002/03 wurde der Wunsch eines neuen, zeitgemäßen Probelokales erfüllt. Die Baukosten für die Errichtung wurden von der Gemeinde übernommen und die Einrichtung der Proberäume wurde von der Kapelle mit zahlreichen Eigenleistungen hergestellt. 

Im Jahr 2004 hat die Musikkapelle Leogang gemeinsam mit der TMK Maishofen und der TMK Bramberg am Bundesblasmusikfest in Wien das Bundesland Salzburg vertreten. Neben dem „Marsch durch Wien“ wurde im Schloss Schönbrunn, am Heldenplatz und am Rathausplatz musiziert.

Das 115-jährige Bestandsjubiläum der Musikkapelle Leogang wurde im Jahr 2005 gemeinsam mit dem Trachtenverein d`Spielberger (75 Jahre) gefeiert. Gemeinsam mit dem Tourismusverband wurde zu diesem Zeitpunkt auch die Bartträgerolympiade in Leogang veranstaltet. 

Im Jahr 2006 wurde nach anstrengender Probenzeit die 2. CD der Musikkapelle mit dem Titel „Festzeit“ gemeinsam mit der Bürgermusikkapelle Saalfelden produziert.

Da die Zusammenarbeit mit den „Bartträgern“ sehr gut funktionierte, wurde auch das 120-jährige Jubiläum der Musikapelle gemeinsam mit der „Europameisterschaft der Bärte“ im Oktober 2010 gefeiert. 

Im Rahmen des Frühlingskonzertes 2015 hat der langjährige Kapellmeister Dir. Ing. Johann Riedlsperger den Taktstock an seinen Nachfolger Alois Hammerschmid aus Maria Alm übergeben. Nach über 30-jähriger Tätigkeit als Kapellmeister wurde er von der Musikkapelle zum Ehrenkapellmeister ernannt und erhielt das Verdienstkreuz in Gold des österreichischen Blasmusikverbandes sowie den Ehrenring der Gemeinde Leogang. Alois Hammerschmid setzte die intensive und erfolgreiche Jugendarbeit fort, sodass die Kapelle im Jahr 2018 ihren vorläufig höchsten Mitgliederstand von 65 Musikantinnen und Musikanten sowie 5 Marketenderinnen erreichte. Gemeinsam mit der Bürgermusik sowie der Eisenbahnkapelle Saalfelden kam es im Jahr 2016 zur Gründung des Jugendorchesters "Stoaberg Hupfa", indem Nachwuchsmusikerinnen und Musiker das gemeinsame Spiel erlernen konnten. Geleitet wird dies von Wolfgang Schwabl und Sebastian Tribuser. Einen besonderen Höhepunkt gab es im Jahr 2018 mit einer Gemeinschaftsproduktion von Musikkapellen in der Region für das musikalische Vermächtnis des Loferer Komponisten und Kapellmeisters Kurt Pühringer anlässlich seinens 10. Todestages in Form einer CD mit dem Titel "In Memoriam Kurt Pühringer".

Nach 5 erfolgreichen Jahren gab Alois Hammerschmid im Zuge der Jahreshauptversammlung 2020 seinen Rücktritt als Kapellmeister bekannt und Dank der guten Nachwuchsarbeit konnte der Taktstock Anfang 2020 mit Sebastian Tribuser wieder an einen jungen Kapellmeister aus den eigenen Reihen übergeben werden. Mit erst 22 Jahren ist er dabei ähnlich jung, als Langzeit- und Ehrenkapellmeister Ing. Hans Riedlsperger bei seiner Übernahme 1984.

Das Vereinsjahr 2020 geht als außergewöhnliches Jahr in die Vereinsgeschichte ein, war es doch überschattet von der weltweiten Corona-Pandemie. Mit einem Weckruf am 1. Mai und einer kurzen, aber sehr gut besuchten Konzertsaison von Ende Juli bis Anfang September kann man aber auf zwei Höhepunkte neben so vielen Absagen zurückblicken.

 
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